Die Herausforderungen der Lieferketten unserer ...

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Die Herausforderungen der Lieferketten unserer ProduzentInnen in Indien

Die Herausforderungen der Lieferketten unserer ProduzentInnen in Indien

 

Manchmal passiert es, dass unsere beliebtesten Produkte auf einmal aufgrund der starken Nachfrage ausverkauft sind und nicht so schnell wieder nachgeliefert werden können. Das ist eigentlich zunächst ein gutes Zeichen, denn es zeigt die Beliebtheit und die Wertschätzung der einzelnen Produkte, die sich auf den weiten Weg von Indien hierher machen. Auf der anderen Seite sind wir natürlich unzufrieden, wenn wir unsere Kunden lange warten lassen müssen, bis die gewünschten Produkte unser Lager erreichen. Die Lieferkette, welche unsere Produkte durchlaufen ist jedoch sehr komplex, was manchmal zu unerwarteten Verzögerungen führen kann. Wir möchten euch hier an ein paar Beispielen zeigen, weshalb es manchmal etwas länger dauern kann.

 

 

Hierzu zählen zum Beispiel zunächst natürliche Faktoren: Viele unserer ProduzentInnen leben in ländlichen Regionen und sind den Kräften der Natur tagtäglich ausgesetzt. Die Wetterbedingungen bestimmen ihren Alltag und in den meisten Fällen auch die Fertigungsbedingungen ihres Kunsthandwerks und dadurch können beispielsweise lange Regen- oder Trockenperioden zu Verzögerungen in den Produktionsprozessen führen. Der Textildruck ist beispielsweise von heißen Temperaturen abhängig, da die Stoffe warme Temperaturen zum Trocknen benötigen. Auch die Holzschnitzerei ist auf eine niedrige Luftfeuchtigkeit angewiesen, damit das Holz trocknen kann. Jedes einzelne Kunsthandwerk fordert somit seine eigenen Bedingungen, um reibungslos durchgeführt werden zu können und die Natur spielt dabei leider nicht immer mit. Vor allem der Monsun setzt vielen ländlichen Gemeinden jedes Jahr erheblich zu, erschwert die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen und schneidet oftmals ganze Dörfer für längere Zeit von der Außenwelt ab.

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(Der Produktionsprozess des Blockdrucks, vom Bedrucken des Stoffs bis zum Trocknen)

 

Unberechenbare Transportwege: Gerade in ländlichen Gegenden sind die ProduzentInnen zudem von unzuverlässigen Transportwegen abhängig. Sie müssen ihre Ware über lokale kleine Busunternehmen oder Züge aufgeben. Die Warensendungen sind in der Regel nicht versichert und können auch nicht mitverfolgt werden. So kommt es häufig zu Verspätungen innerhalb dieses Abschnitts der Lieferkette und manchmal gehen Waren sogar ganz verloren und müssen neu versendet werden.

 

Soziale Events und Feste: In den ländlichen Gegenden aus denen die meisten unserer ProduzentInnen stammen, spielt die Gemeinschaft eine große Rolle. So können große gemeinschaftliche Anlässe, wie ein Heirat, eine Beerdigung oder ein religiöses Fest die Waren-Produktion in den Hintergrund geraten lassen und über mehrere Wochen lahm legen.

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(Eine indische Hochzeit)

 

Politische Entscheidungen: Auch sind vor allem die kleineren ländlichen Gemeinden besonders anfällig für die Auswirkungen politischer Entscheidungen, wie man es zunächst gar nicht erwarten würde. Beispielsweise erlebte Indien im vergangenen Herbst eine Geldentwertung, die ohne Vorwarnung von einem Tag auf den anderen einen Großteil der indischen Banknoten für ungültig erklärte, um, so die indische Regierung, der Schwarzgeldproduktion einen Riegel vorzuschieben. Dieses unvorbereitete Experiment führte jedoch zu einem über 2 Monate andauernden Ausnahmezustand, der auch den Handel und die Waren-Produktion lähmte. Vor allem in entlegenen Regionen ist der Zugang zu Bargeld generell schwierig und vor allem große Banknoten, paradoxerweise die ersten, die nach der plötzlichen Entwertung wieder neu eingeführt wurden, können nicht gewechselt werden.

 

Trotz all dieser Herausforderungen, denen man begegnet, wenn man mit Kunsthandwerk-Kooperationen in Indien zusammenarbeitet, halten wir an dieser, aus unserer Sicht wertvollen, Zusammenarbeit fest. Zum einen, weil wir es wichtig finden, die ProduzentInnen in den oft langwierigen Prozessen zu unterstützen, kreative Lösungen zu den oben genannten Problemen zu finden und diese zu überwinden. Zum anderen, weil wir die Einzigartigkeit der Produkte wertschätzen und an die große gesellschaftliche Wirkung glauben, die wir mit der Kooperation und Förderung dieses Kunsthandwerks erreichen können.

 

 

 

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