Kalakosh Blog

Aktuelle Inhalte als RSS-Feed anzeigen

Kalakosh Blog

Auf dieser Seite schreiben wir über die Themen die uns bewegen. Neben Fairen Handel, geht es auch um Indien, seine Menschen und Traditionen. Erlebe dieses bezaubernde Land aus unserer Perspektive und lies über Hintergründe zu unseren Produkten und Produzenten. In jedem Fall bieten wir dir einen Blick auf Indien an, den du so noch nicht gesehen hast.


Veröffentlicht am von

Die Herausforderungen der Lieferketten unserer ProduzentInnen in Indien

Die Herausforderungen der Lieferketten unserer ProduzentInnen in Indien

 

Manchmal passiert es, dass unsere beliebtesten Produkte auf einmal aufgrund der starken Nachfrage ausverkauft sind und nicht so schnell wieder nachgeliefert werden können. Das ist eigentlich zunächst ein gutes Zeichen, denn es zeigt die Beliebtheit und die Wertschätzung der einzelnen Produkte, die sich auf den weiten Weg von Indien hierher machen. Auf der anderen Seite sind wir natürlich unzufrieden, wenn wir unsere Kunden lange warten lassen müssen, bis die gewünschten Produkte unser Lager erreichen. Die Lieferkette, welche unsere Produkte durchlaufen ist jedoch sehr komplex, was manchmal zu unerwarteten Verzögerungen führen kann. Wir möchten euch hier an ein paar Beispielen zeigen, weshalb es manchmal etwas länger dauern kann.

 

 

Hierzu zählen zum Beispiel zunächst natürliche Faktoren: Viele unserer ProduzentInnen leben in ländlichen Regionen und sind den Kräften der Natur tagtäglich ausgesetzt. Die Wetterbedingungen bestimmen ihren Alltag und in den meisten Fällen auch die Fertigungsbedingungen ihres Kunsthandwerks und dadurch können beispielsweise lange Regen- oder Trockenperioden zu Verzögerungen in den Produktionsprozessen führen. Der Textildruck ist beispielsweise von heißen Temperaturen abhängig, da die Stoffe warme Temperaturen zum Trocknen benötigen. Auch die Holzschnitzerei ist auf eine niedrige Luftfeuchtigkeit angewiesen, damit das Holz trocknen kann. Jedes einzelne Kunsthandwerk fordert somit seine eigenen Bedingungen, um reibungslos durchgeführt werden zu können und die Natur spielt dabei leider nicht immer mit. Vor allem der Monsun setzt vielen ländlichen Gemeinden jedes Jahr erheblich zu, erschwert die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen und schneidet oftmals ganze Dörfer für längere Zeit von der Außenwelt ab.

2BlockingPrinting_4_AchlaRam  4Clothdrying_1  5ClothDrying_2         

(Der Produktionsprozess des Blockdrucks, vom Bedrucken des Stoffs bis zum Trocknen)

 

Unberechenbare Transportwege: Gerade in ländlichen Gegenden sind die ProduzentInnen zudem von unzuverlässigen Transportwegen abhängig. Sie müssen ihre Ware über lokale kleine Busunternehmen oder Züge aufgeben. Die Warensendungen sind in der Regel nicht versichert und können auch nicht mitverfolgt werden. So kommt es häufig zu Verspätungen innerhalb dieses Abschnitts der Lieferkette und manchmal gehen Waren sogar ganz verloren und müssen neu versendet werden.

 

Soziale Events und Feste: In den ländlichen Gegenden aus denen die meisten unserer ProduzentInnen stammen, spielt die Gemeinschaft eine große Rolle. So können große gemeinschaftliche Anlässe, wie ein Heirat, eine Beerdigung oder ein religiöses Fest die Waren-Produktion in den Hintergrund geraten lassen und über mehrere Wochen lahm legen.

Indische_hochzeit

(Eine indische Hochzeit)

 

Politische Entscheidungen: Auch sind vor allem die kleineren ländlichen Gemeinden besonders anfällig für die Auswirkungen politischer Entscheidungen, wie man es zunächst gar nicht erwarten würde. Beispielsweise erlebte Indien im vergangenen Herbst eine Geldentwertung, die ohne Vorwarnung von einem Tag auf den anderen einen Großteil der indischen Banknoten für ungültig erklärte, um, so die indische Regierung, der Schwarzgeldproduktion einen Riegel vorzuschieben. Dieses unvorbereitete Experiment führte jedoch zu einem über 2 Monate andauernden Ausnahmezustand, der auch den Handel und die Waren-Produktion lähmte. Vor allem in entlegenen Regionen ist der Zugang zu Bargeld generell schwierig und vor allem große Banknoten, paradoxerweise die ersten, die nach der plötzlichen Entwertung wieder neu eingeführt wurden, können nicht gewechselt werden.

 

Trotz all dieser Herausforderungen, denen man begegnet, wenn man mit Kunsthandwerk-Kooperationen in Indien zusammenarbeitet, halten wir an dieser, aus unserer Sicht wertvollen, Zusammenarbeit fest. Zum einen, weil wir es wichtig finden, die ProduzentInnen in den oft langwierigen Prozessen zu unterstützen, kreative Lösungen zu den oben genannten Problemen zu finden und diese zu überwinden. Zum anderen, weil wir die Einzigartigkeit der Produkte wertschätzen und an die große gesellschaftliche Wirkung glauben, die wir mit der Kooperation und Förderung dieses Kunsthandwerks erreichen können.

 

 

 

Gesamten Beitrag lesen
Veröffentlicht am von

Die starken Frauen hinter unseren Produkten

Gesamten Beitrag lesen: Die starken Frauen hinter unseren Produkten

Die starken Frauen hinter unseren Produkten

Anlässlich des Muttertags möchten wir in diesem Beitrag die Arbeit der vielen Frauen in unseren indischen Projekten würdigen, welche ihre liebevolle Handarbeit in die vielen detailverliebten kalakosh Produkte stecken.

IMG_5254

Ein Großteil unserer Fair-Trade-ProduzentInnen sind Frauen. Unser Partner Wellpaper, ist eine reine Frauen Kooperative und bei Eco-Friendlypapers und Matrboomie/SETU arbeiten mehr als 60% Frauen. In Indien haben Frauen aufgrund ihres Geschlecht sehr wenig, bis keinen Zugang zu Bildung und Handel. Sie haben in der indischen Gesellschaft wenige Chancen sich beruflich weiter zu entwickeln, da man von ihnen in der Regel erwartet, dass sie zu Hause bleiben und sich um das Haus und die Kinder kümmern. Die meisten Frauen haben aus diesem Grunde wenig Selbstbewusstsein und Mut selbstständig die Initiative zu ergreifen und unternehmerisch tätig zu werden. Denn für sie ist dies mit viel mehr Schwierigkeiten und Risiken verbunden, als für Männer.

 

square_Wellpaper_6

Für uns ist es deshalb besonders wichtig diese Frauen und ihre Kreativität zu fördern und Ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Die Förderung von marginalisierten HändlerInnen ist ein Grundpfeiler des Fair-Trade-Gedanken und somit haben wir sie zu einer unserer Prioritäten gemacht. Während unseren persönlichen Besuchen in Indien können wir immer wieder die positiven Entwicklungen beobachten, die Frauen in unseren Projekten machen. Zwar ist es zu Beginn oft etwas schwierig die festen sozialen Strukturen und Rollenbilder, in denen sie gefangen sind, aufzubrechen und in den Familien die entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten. Regelmäßig erfahren wir aber, dass sobald die Frauen erst einmal positive Erfahrungen mit unseren Fair-Trade-Handelspartnern gemacht haben und ein eigenes kleines Gewerbe aufbauen konnten, sie immer mehr Selbstvertrauen in sich und ihre Arbeit finden und somit auch ein Vorbild für andere Frauen sein können. In diesem Sinne leisten unsere Fair-Trade-Kooperationen einen wichtigen Beitrag zur Selbstermächtigung von Frauen in Indien.

 

Wir danken auch Ihnen, dass Sie diese Arbeit unterstützen und den Frauen in unseren Projekten ein selbstbestimmteres und unabhängigeres Leben ermöglichen. Wir wünschen Ihnen allen einen schönen Muttertag mit starken und selbstbewussten Müttern, Großmüttern, Tanten, Töchtern, Ehefrauen, Lebensgefährtinnen und Schwestern an Ihrer Seite.

 

Gesamten Beitrag lesen
Veröffentlicht am von

Happy Diwali - Das indische Lichterfest

Gesamten Beitrag lesen: Happy Diwali - Das indische Lichterfest

Happy Diwali - Das indische Lichterfest

Das Lichterfest Diwali ist eines der größten Feste Indiens. In den Tagen vor und nach Diwali befindet sich ganz Indien in Feierlaune. Alle Häuser sind mit Lichterketten, Lampen und Kerzen dekoriert. Es werden Geschenke gekauft und man besucht Freunde und Familie. Von der Stimmung und Optik her, könnte man es vergleichen mit Weihnachten in Deutschland.

Hier hören die Gemeinsamkeiten aber bereits auf. Die religiösen Hintergründe von Diwali sind sehr komplex und die Fest wird in verschiedenen Teilen Indiens sehr unterschiedlich gefeiert, mit vielfältigen Bräuchen und mythologischen Bezügen. Folgend versuchen wir Ihnen dieses Fest, welches in Europa fast unbekannt, aber für einen signifikanten Teil der Weltbevölkerung so wichtig ist, etwas näher zu bringen.

Der Name Dipavali bedeutet auf Sanskrit so viel wie „Lichterkette. In den nordindischen Sprachen hat sich daraus die Bezeichnung Diwali entwickelt. In den südindischen Sprachen ist dagegen die Namensform Dipavali in Gebrauch.

Diwali beginnt immer am fünfzehnten Tag des Hindumonats Kartik (Ende Oktober/Anfang November), 20 Tage nach Dasahra, zu Neumond. Im Jahr 2016 fällt Diwali auf den 30. Oktober. Je nach Region dauert es zwischen einem und fünf Tagen.

Kernaussage des Festes ist der Sieg des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über den Schatten und des Lebens über den Tod.

Für viele Hindus, besonders in Nordindien, geht es auf den Tag zurück, an dem Gott Rama mit seiner Frau Sita und seinem Bruder Lakshmana nach 14-jährigem Exil im Dschungel in seine Hauptstadt Ayodhya zurückkehrte, so wie es das Ramayana beschreibt. Da es dunkel war, entzündeten die Menschen Öllampen entlang seines Wegs.
Im Süden Indiens dagegen sehen die Menschen in Diwali einen Bezug zu Krishna, der einen Dämonen besiegt und sechzehntausend Frauen befreit hatte, die sich in der Gefangenschaft des Dämons befanden.
Diwali wird auch von anderen Religionen Indiens gefeiert. Im Jainismus erinnert man an den Eintritt Mahaviras ins Nirwana und Moksha. Im Sikhismus wird an Har Gobinds Sieg über Jahangir und seine Rückkehr nach Amritsar gedacht.

Ablauf und RitualeKleine Öl-Lampe

Wesentliches Element von Diwali sind die Lichter. Waren es ursprünglich nur kleine Öl-Lampen – in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt –, sind es heute zunehmend elektrische Lichterketten, die Wohnhäuser, Geschäfte und Straßen im ganzen Land erleuchten. Manchmal hängt man Lampen in Bäume und platziert Kerzen auf den Dächern. Nach einer Deutung dieses Brauchs zeigen die Lichter den Pitris, den Geistern der Toten, den Weg in das Land der Seligkeit. Schon Tage vor dem Fest werden überall auf den Straßen Knallkörper und anderes Feuerwerk entzündet, am Feiertag selbst kracht und knallt es überall, ähnlich wie in Deutschland zu Silvester.

Diwali zieht sich, je nach mythologischer Auslegung über mehrere Tage. In der Hauptstadt Indiens, Neu-Delhi, zelebrieren die meisten Inder 5 Tage lang. Jeder Tag hat eine andere Bedeutung und geht mit unterschiedlichen Ritualen einher.

  1. Der erste Tag heißt Dhanwantari Triodasi. An diesem Tag räumt man das Haus auf und schmückt es, kauft neue Kleidung und Kochutensilien, auch Wertgegenstände und Schmuck vornehmlich aus Gold oder Silber.
  2. Der zweite Tag des Festes ist Narak Chaturdasi. Er gilt als der Tag, an dem Krishna den Dämonen Narakasur besiegt. Zum Ritual des Festes gehört, dass die Menschen vor Sonnenaufgang aufstehen und ein Bad nehmen, möglichst mit wohlriechendem Öl. Man zündet Öllämpchen an und schmückt das Haus mit besonderen Kolams. Man trägt meist neue Kleider, besucht sich gegenseitig und beschenkt sich mit Süßigkeiten, abends zündet man Feuerwerk und Knallfrösche.
  3. Der dritte Tag ist der Göttin Lakshmi geweiht und wird Lakshmi Puja genannt. Er gilt in Nordindien als wichtigster Tag der Festlichkeiten. Hier interpretiert man die Lichter als Begrüßung für sie. Es heißt, dass sie nicht in Wohnungen einkehre, vor denen keine Lichter stehen und die nicht aufgeräumt und gesäubert wurden. Auch für Ladenbesitzer hat dieser Tag besondere Bedeutung. Sie reinigen und streichen dafür nicht nur ihre Geschäfte, sondern legen auch neue Geschäftsbücher an. Für das kommende Jahr bitten sie Lakshmi um Erfolg. Lakshmi Puja gilt als besonders günstig für Glücksspiele, da die Göttin das Glück selbst verkörpert. Als Omen für das kommende Jahr nehmen viele Menschen z. B. an einer Tombola teil oder gehen ins Kasino.
  4. Der vierte Tag heißt Govardhan Puja, an ihm werden Krishna und Vishnu verehrt, und er gilt als erster Tag des neuen Jahres. Ehefrauen schwenken ein Tablett mit Lichtern segnend um den Kopf ihrer Ehemänner herum und tupfen ihnen dann einen Segenspunkt auf die Stirn.
  5. Der fünfte und letzte Tag von Diwali ist Bhau Beej, an dem Schwestern ihre Brüder mit dem Licht segnen. An diesem Bruder-Schwester-Tag versprechen beide, sich gegenseitig zu beschützen.

Wer einmal das Glück hat Diwali mitzufeiern, der wird sich trotz aller Unterschiede an Weihnachten erinnert fühlen. Nicht wegen der Geschenke und Lichter, sondern wegen dem Beisammensein mit Familie und Freunden. Ganz Indien vergisst für wenige Momente den harten Alltag und besinnt sich auf das wirklich wichtige.

Diwali in Südindien

 

Gesamten Beitrag lesen
Veröffentlicht am von

Kalakosh auf Reisen

Gesamten Beitrag lesen: Kalakosh auf Reisen

Kalakosh auf Reisen

Im Januar und Februar 2016 ist Sandeep, Gründer von Kalakosh, wieder auf Reisen in Indien. Neben dem Besuch seiner Familie wird er auch alte und neue Fairtrade Partner besuchen. Auf dieser Seite versorgen wir Sie mit Informationen und Bildern zu seiner Reise. Sollten Sie Fragen zu unseren Partnern oder zum Leben in Indien habt, dann schreiben Sie uns eine Nachricht (info@kalakosh.de). Sandeep wird Ihre Frage dann direkt aus Indien beantworten.Reise9

Die einzelnen Reiseziele sind absteigend aufgeführt. Anhand dieser Links können Sie schnell zum gewünschten Reiseziel springen:

 

1. Reiseziel - Home sweet home

2. Reiseziel - Neu Delhi

3. Reiseziel - Jaipur "The pink City"

4. Reiseziel - Ausspannen in Kochi in Kerala

5. Reiseziel - Die Ostghats

6. Reiseziel - Auroville - die "universelle" Stadt

7. Reiseziel - Chennai - Tanz, Film und Musik

8. Reiseziel - Hanamkonda - Ajays und Sravantis Hochzeit

 

 

 


 

8. Reiseziel - Hanamkonda - Ajays und Sravantis Hochzeit

Die letzte Reisestation von Sandeep war wieder sein Heimatstaat Telangana. Zum Abschluss seiner Reise durch Indien wohnte er der Hochzeit seines Cousins Ajay in Hanamkonda bei.

Indische Hochzeiten sind etwas ganz besonders. Für Inder ist die Hochzeit das Highlight des Lebens und die vielen kleinen und großen Rituale, die festliche Kleidung und die tagelangen Feierlichkeiten üben auch auf uns Europäer eine besondere Faszination aus. Daher ist der Bericht über Ajays und Sravantis Hochzeit auch ein guter Abschluss für diesen Reisebericht.

Dadurch, dass die Mehrheit der Inder Hindus sind, sind auch die meisten Hochzeiten in Indien hinduistische Vermählungen. Dabei ist der Großteil der Hochzeiten arrangiert. Was auf uns befremdlich wirkt, hat in Indien eine lange Tradition. Auch Ajays und Sravantis Hochzeit wurde von deren Familien arrangiert. In den großen Städten, die in der Regel weltoffener sind, gewinnt aber auch das Konzept der Liebeshochzeit langsam an Bedeutung.

Die Hochzeitssaison startet in Indien im Dezember und dauert bis Februar an. Der genaue bzw. günstigste Hochzeitstermin wird nach dem Horoskop von Braut und Bräutigam bestimmt. Während dieser Saison vergeht in den großen Städten kein Tag an dem man keinen Bräutigam auf einem Pferd reiten sieht (dazu später mehr).Hochzeitssaal1

Die indische Hochzeit ist immer ein sehr großes Fest, zu dem mind. 300 bis 1.000 Gäste eingeladen sind. Für Ajays und Sravantis Hochzeit wurden über 1.500 Menschen eingeladen. Die große Bedeutung die Hochzeiten in Indien beigemessen wird hat verschiedene Gründe: Zum einem ist die Hochzeit in Indien das Highlight des Lebens. Auf dieses Ereignis sparen viele Inder bereits lange im Vorfeld hin, häufig mit Hilfe eines Hochzeitssparvertrages. Des Weiteren stellt eine Hochzeit den Wohlstand des Brautpaares bzw. deren Familien dar. Die Hochzeitsfeier in Größe und Ausstattung ist somit auch ein Statussymbol. Eingeladen wird neben Freunden und Arbeitskollegen natürlich die gesamte Familie. Dabei versteht man in Indien unter Familie auch weitentfernte Verwandte. So kommen schnell ein paar hundert Menschen zusammen. Familienmitglieder aus weiter entfernten Teilen des Landes entsenden meistens einen Vertreter, der seinen Teil der Familie auf der Hochzeit repräsentiert.

In Indien hat sich ein riesiger Geschäftszweig entwickelt, der sich auf Hochzeiten spezialisiert - vom Catering, über die Musik bis hin zur Hochzeits-Venue (dem Ort der Feierlichkeiten). Davon gibt es in Indien unzählige, passend für jedes Budget und jeden Geschmack. Die kleinsten Venues bieten bis zu 400 Leuten Platz. Die großen können auch mehrere tausend Gäste bewirtschaften. Das Foto oben rechts zeigt den Raum für die Trauung von Ajay und seiner Frau.

Die indischen Hochzeiten sind voller Bräuche und Riten, die von der Religion und Region abhängig sind in der sie gefeiert werden. Sie in Gänze aufzuzählen ist leider nicht möglich. Folgend werden wir auf die wichtigsten Bräuche einer südindischen Hochzeit eingehen. Sollten Sie weitere Informationen dazu wünschen können Sie hier mehr erfahren. Auf der Bilderreihe unten sehen Sie von links nach rechts: Eine Zeremonie vor der Hochzeit mit dem Bräutigam und seinen Eltern, ein Korb mit dem „Mangalsutra“ (einer Kette) und Fussringen die der Bräutigam der Braut überzieht (eine Art Pendant zu unseren Eheringen), ein Spiel bei dem Braut und Bräutigam einen Ring aus einem Wassereimer angeln müssen um zu bestimmen, wer die Hosen in der Ehe an hat.

Rituale einer indischen Hochzeit

Die Feierlichkeiten beginnen schon Tage vor der eigentlichen Hochzeit. Zwei bis drei Tage vor der Hochzeit findet der „Sangit“ statt. „Sangit“ bedeutet wörtlich miteinander singen. Die Feier findet zuhause, oft mit einem professionellen Partyservice und DJ statt. Die Frauen beider Familien treffen sich so zu einem informellen Kennenlernen und essen, singen und feiern miteinander. Früher war der „Sangit“ eine reine Frauenfeier, aber in der heutigen Zeit kommen zu spätere Stunde häufig auch der Bräutigam und die männlichen Familienmitglieder hinzu.

Das Mehndi sind Henna-Verzierungen auf der Haut der Braut, wie beispielsweise den Händen, Knöcheln und Füßen. Das Verzierungsritual kann bis zu 3 Tage dauern, bis es letztendlich fertig gestellt ist. Je dunkler das Mehndi der Braut ist, desto mehr soll ihre Schwiegermutter sie angeblich mögen. Solange das Mehndi auf der Haut der Braut nicht vollständig verblasst ist (ca. 2 Wochen), muss diese nicht bei der Hausarbeit helfen. Das Mehndi wird der Braut häufig bei einer sogenannten Mehndi-Feier aufgetragen. Die Frauen der Familie treffen sich und verzieren die Haut von sich und der Braut mit Henna-Tatoos. Die Verzierungen der Braut sind jedoch am Aufwendigsten und benötigen häufig Stunden zum Trocken. Dies hat denn Sinn der Braut vor der anstehenden Hochzeit ein paar Stunden Erholung zu gönnen.

Am Tag der eigentlichen Hochzeit wird der Bräutigam von Freunden abgeholt. Auf dem Weg zum Festzelt reitet der Bräutigam auf einem Pferd, begleitet von seinen Freunden und einer lauten Hochzeitskapelle. Dieser Umzug wird auch „Baraat“ genannt. Dabei spielt die Lautstärke der Musiker oft eine größere Rolle als die Qualität ihrer Musik.

Reis_fur_Fruchtbarkeit_Die eigentliche Hochzeitszeremonie wird als „Pheras“ bezeichnet. Das langwierige Hochzeitsritual kann insgesamt bis zu 3 Stunden dauern. Die geschmückte Braut bleibt bis zum Eintreffen des Bräutigams vor den Blicken der Gäste verborgen. Braut, Bräutigam und die nächsten Anverwandten hocken sich unter einen Baldachin. Vor dem hier brennenden Opferfeuer nimmt ein Brahmanenpriester das Trauungsritual vor. Während des Hauptteils umkreist das Brautpaar das Opferfeuer insgesamt sieben Mal. Die ersten drei Runden werden dabei von der Frau und die letzten vier von dem Mann angeführt. Dies symbolisiert, wer in den ersten 7 Ehejahren jeweils „das Sagen“ in der Ehe hat. Am Ende der Trauung hängen sich Braut und Bräutigam gegenseitig Blumengirlanden um den Hals, um Verbundenheit & Treue (ähnlich unserer Eheringe) zu symbolisieren.

Im Anschluss an die Zeremonie wird bis späte in die Nacht gefeiert. Bei Ohrenbetäubender Musik wird getanzt, gegessen und miteinander geredet. In diesem Punkt sind sich indische und europäische Hochzeiten dann wieder ganz ähnlich.

 

An dieser Stelle endet unser Reisebericht. Nach einem rauschenden Fest mit seiner Familie ist Sandeep wieder zurück nach Deutschland gereist um die Arbeit für Kalakosh wieder aufzunehmen. Die Reise hinterlässt unvergessliche Eindrücke, neue Freundschaften und Herausforderungen für Sandeep und Kalakosh. Begleiten Sie uns auch weiterhin auf unserer Reise in eine faire Zukunft.

 

 

7. Reiseziel - Chennai - Tanz, Film und MusikKapaliswarar-Tempel in Chennai

Nächstes Reiseziel von Sandeep war erneut Chennai, wo er das lokale Asha Büro besucht hat.

Chennai, bis 1996 auch Madras genannt, entstand in der britischen Kolonialzeit und ist die Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu. Die Stadt wurde um das im Jahr 1640 gegründete Fort St. George herumgebaut und ist die Heimat von mittlerweile ca. 6,5 Millionen Menschen.

Neben den vielen Kolonialbauten ist Chennai auch berühmt für den Kapaliswarar-Tempel im Stadtteil Mylapore. Er ist dem Gott Shiva in seiner Gestalt als Kapaliswarar gewidmet. Neben dem vishnuitischen Parthasarathy-Tempel ist er der wichtigste Tempel Chennais. Seine Ursprünge hat er im 6. Jahrhundert (wobei kein Teil des heute bestehenden Bauwerks noch älter als 300 bis 400 Jahre ist).

Chennai ist ein Zentrum der südindischen Kultur. Neben der Pflege der karnatischen Musik und der klassische südindischen Tanzform Bharatanatyam ist die Stadt auch der Dreh- und Angelpunkt der tamilischen Filmindustrie. In den Studios im Stadtteil Kodambakkam entstehen durchschnittlich drei Filme pro Woche, die einen Umsatz von jährlich 23 Millionen Rupien produzieren (Stand 2005). Damit gehört der tamilische Film neben dem Hindi-Film und dem Telugu-Film zu den drei größten indischen Regionalfilmindustrien. Von der Popularität des Films zeugt auch die Zahl von 125 Kinos in Chennai. In Anlehnung an Hollywood und Bollywood wird der tamilische Film nach seinem Entstehungsort Kodambakkam auch Kollywood genannt.

In Chennai gibt es auch eine Vertretung von Asha for Education. Asha ist eine non-profit Organisation, die sich mit Hilfe von Freiwilligen für die Verbesserung der Bildung in Indien einsetzt. Mittlerweile hat Asha Vereine in über 60 Ländern, die sich für Bildungsprojekte einsetzen. Einer davon ist Asha Frankfurt in dem auch Sandeep ein Mitglied ist. Kalakosh entstand aus der Idee Asha finanziell zu unterstützen.

Bei seinem Besuch hat sich Sandeep über laufende Projekte von Asha Chennai informiert. Aktuell braucht Asha Unterstützung bei der Versorgung von Flutopfern in den ländlichen Regionen um Chennai. Die Gemeinden in dieser Region wurden im November und Dezember von schweren Regenfällen, gefolgt von Überflutungen heimgesucht. Während unmittelbare Hilfe bereits geleistet wurde (in Form von Wasser, Nahrungsmitteln und Utensilien), folgt nun die langfristige Hilfe durch den Wiederaufbau von Schulen und die Erneuerung von Lernmaterial. Wenn Sie die Leute von Asha dabei unterstützen möchten können Sie auf www.asha.org/flood-relief mehr erfahren.

Asha Chennai bei der unmittelbaren Hilfe von Flutopfern

 

6. Reiseziel - Auroville - die "universelle" Stadt

 Matrimandir - "Tempel der Mutter" - im Zentrum von AurovilleNach einem kurzen Zwischenstopp in Chennai ist Sandeep weiter nach Auroville gereist. Dort gab es ein Wiedersehen mit Danny und Orly den Gründern von unserem Partner Well Paper.

Auroville ist eine ganz besondere Stadt, geboren aus einer besonderen Idee. Der Name Auroville bedeutet Stadt der Morgenröte, aber der Name von Aurobindo Ghose (auch Sri Aurobindo genannt) ist wohl auch in die Namensgebung mit eingeflossen.

Sri Aurobindo war ein war ein indischer Politiker, Philosoph, Hindu-Mystiker, Yogi und Guru. Er verbindet in seiner Person die humanistische Bildung und das Wissen des Westens mit den Weisheitslehren und spirituellen Traditionen Indiens. Auroville ist als „universelle“ Stadt auf Basis seiner Gesellschaftstheorie von seinen Anhängern gegründet worden.

Die Vision der Gründer war ein integrales Leben und Zusammenleben aller Einwohner der Stadt. Entworfen von einer Architektengruppe um den französischen Architekten Roger Anger, soll sich die zukünftige Stadt für etwa 50.000 Bewohner in Form einer Spiralgalaxie um den Zentralbereich erstrecken. Das Projekt selbst befindet sich noch im Stadium einer Experimentalstadt. Es stellt den kollektiven Versuch der Realisierung einer Stadtutopie dar, mit neuen Wohn- und Lebensbedingungen zu experimentieren. Darüber hinaus werden andere Formen des sozialen Zusammenlebens durch größere Gemeinschaften entwickelt. Verschiedene Projekte fördern die Nutzung alternativer Energiequellen. Zudem wird seit einigen Jahrzehnten wegen der gebietsweise starken Erosion ein für Indien vorbildliches Wiederaufforstungsprogramm durchgeführt.

Auroville wird seit 1966 von der UNESCO gefördert. Gegenwärtig erstrecken sich über das Stadtgebiet mehr als 100 Ansiedlungen mit unterschiedlichen Ausprägungen des Lebensstandards und beruflicher und sonstiger Tätigkeiten. Über 2000 Menschen leben als ständige Einwohner in der Stadt. Dazu kommen einheimische Angestellte (5000-6000), Gäste und Studenten. In Auroville sind Menschen aus über 45 Nationen versammelt.

Auch Danny und Orly, die Gründer von Well Paper, gehören dazu. Im JahrSandeep mit Danny 2004 kamen sie nach Auroville. Anfänglich wollten sie mit ihren Kindern nur ein Jahr bleiben, aber als 2 Monate nach ihrer Ankunft der große Tsunami auch die Küste von Tamil Nadu verwüstete, entschlossen sie sich zu bleiben und den betroffenen Menschen zu helfen. Sie gründeten ein Trainingscenter um Frauen eine Lebensgrundlage zu schaffen. Aus diesem Trainingscenter wurde später Well Paper. Well steht für „Women Empowerment through Local Livelihood“. Das heißt Selbständigkeit für Frauen durch Arbeit, sowohl finanziell als auch sozial.

Am Anfang standen die Frauen vor der schwierigen Frage, was sie sinnvolles mit begrenzten Mitteln herstellen könnten. Sie fanden eine ebenso geniale, wie kreative Antwort. Sie entschieden sich dazu alte Zeitungen zu nutzen um nach alter Tradition Haushaltgegenstände herzustellen. Diese Idee war so gut, dass mittlerweile zwei Arbeitsgruppen mit der Herstellung verschiedener Produkte beschäftigt sind und aus der kleinen Organisation ein veritables Unternehmen mit einem komplett nachhaltigen Geschäftsmodell geworden ist.

Die Frauen stellen neben Körben, Untersetzern und Schmuck sogar Weihnachtsdekoration aus gerolltem Zeitungspapier her. Die Produkte sind zu 100% recycelt, von höchster Qualität und können auch in unserem Onlineshop erworben werden.

Well_Paper_Frauen_3

Well_Paper_Frauen

(Frauen bei der Arbeit in der Produktionsstätte von Well Paper)

 

5. Reiseziel - Die Ostghats

Nach ein paar erholsamen Tagen in Kerala ist Sandeep nach Andhra Pradesh weitergereist. Dort besuchte er ein paar Dörfer in dem Gebirge der Ostghats im Distrikt Vishakpatnam.

Die Ostghats erstrecken sich entlang der Ostküste von WestbengalenDie Landschaft der Ostghats bis nach Tamil Nadu. Im Durchschnitt sind die Berge zwar nur 500m hoch, trotzdem beherbergen Sie eine beeindruckende Vielfalt an Fauna und Flora in unterschiedlichen Vegetationszonen. Das Gebirge hat sehr fruchtbare Böden und wird deshalb auch für den Anbau von Kaffee genutzt.

Der Kaffee aus den Ostghat soll einen ganz eigenen besonderen Geschmack haben. Davon wollte sich auch Sandeep überzeugen und hat deshalb die Anakapalle Kaffeekooperative im Vishakapatnam Distrikt besucht. Die Bauern haben die Kooperative gegründet um ihren Kaffee selbst zu vermarkten. Die Mittelsmänner die den Kaffee sonst für sie verkaufen, nutzen die Abhängigkeit der Bauern leider oft aus und streichen selbst den größten Teil der Gewinne ein. Die Kooperative steht noch ganz am Anfang und die Bauern haben keine Erfahrung mit der Organisation einer Kooperative und dem Verkauf von Kaffee auf den Weltmärkten. Sandeep möchte die Bauern in Zukunft unterstützen und plant den Vertrieb und die Vermarktung des Kaffees in Indien und Deutschland (wenn Sie Erfahrung mit der Kaffeeindustrie haben und uns dabei unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme über info@kalakosh.de).

Neben der Abhängigkeit der Bauern von Mittelsmännern ist auch der Mangel an Schulen ein Problem in den Dörfern des Vishakapatnam Distrikts. Im Alter von 7 bis 8 Jahren werden die Kinder auf staatliche Internate geschickt. Bis zu diesem Alter haben die Kinder jedoch keinen Zugang zu Bildung. Um den jüngeren Kindern einen fördernden Lebensbereich zu bieten, in dem sie ihre sozialen, emotionalen und kognitiven Grundfähigkeiten entfalten können, hat die NGO RDSS (Rural Development Service Society) in dem Dorf, das Sandeep besucht hat, eine kleine Vorschule eingerichtet (s. Bild unten). Leider fehlen der Schule die finanziellen Mittel um eine gute Ausbildug zu gewährleisten. Auch hier möchte Sandeep mit dem Verein Asha in Zukunft aktiv werden um die Schule zu unterstützen.

Das Leben der Menschen in den ländlichen Regionen im Vishakapatnam Distrikt ist einfach und arbeitsreich. Die Bilder unten geben einen kleinen Einblick in den Alltag. Die Bilder von links nach rechts: Die Schule von RDSS - Ajay,der Gründer der Kaffeekooperative, mit Kindern aus dem Dorf - Alltag der Frauen im ländlichen Indien.

Bilder aus dem Alltag in den Ostghats

 

4. Reiseziel - Auspannen in Kochi in Kerala

Nach einem geschäftigen ersten Reiseabschnitt, hat sich Sandeep mit seiner Familie erstmal ein paar ruhige Tage in Kerala gegönnt. Kerala ist ein Bundesstaat im Süden von Indien. Sein Name bedeutet wörtlich „Land der Kokospalmen“. Mit seinem tropischen Klima, langen Sandstränden und den berühmten "Backwaters" (ein dichtes Netz aus Flüssen, Kanälen und Seen) gehört dieser Bundesstaat zu einem der beliebtesten Reiseziele in Indien.

Kalakosh_Kerala

 

3. Reiseziel - Jaipur "The Pink City"

Nach seinem Besuch in Neu Delhi ist Sandeep weiter nach Jaipur gereist, der Hauptstadt von Rajasthan, um die Zentrale der Fair Trade Initiative SETU zu besuchen.
Jaipur wurde im 18. Jahrhundert von Maharaja Jai Singh II. gegründet und wir auch „Pink City“ genannt. Grund dafür ist die einheitlich rosarote Farbe aller Gebäude im Altstadtviertel. Den Anstrich erhielt es 1876 in Vorbereitung auf den Besuch von Kronprinz Albert Eduard, Prince of Wales. Rosarot ist Rajasthans traditionelle Farbe der Gastlichkeit.
Kalakosh bezieht einen viele seiner Produkte von SETU und seinen Partnern. SETU ist Mitglied des FAIR TRADE FORUM INDIA und seit letztem Jahr auch durch die WFTO zertifiziert. In der Zentrale hat Sandeep sich mit der Chefin Rashmi Darmwal getroffen und potentielle neue Produkte für euch begutachtet.

Kalakosh_HawaMahal_JaipurKalakosh_Rashmi_Darmwal

 

Während seines Aufenthalts in Jaipur hat Sandeep auch unseren Partner Eco-Friendly Papers (EFP) besucht. Von EFP bezieht Kalakosh alle seine Papierprodukte und die wunderschönen Kantha Schals.

Die Produktionsstätte von Eco-Friendly Papers liegt in Sanganer, 40km südlich von Jaipur. Seit 1728 gilt dieses Dorf als die Heimat von indischem handgeschöpftem Papier. Die Künstler nennen sich traditionell „Kagazi“ („Kagaz“ bedeutet Papier). Ihre Vorfahren haben diese Kunst aus Zentral Asien nach Indien gebracht. Obwohl Papier aus verschiedenen Materialien hergestellt werden kann, benutzen die Künstler bei Eco-friendly Papers hauptsächlich Baumwolle. Als Quelle nutzen sie Reste aus der Textilindustrie. Das Papier von Eco-friendly Papers ist somit 100% holzfrei, nachhaltig, und wiederverwendbar. Die schönen Designs werden ebenfalls vor Ort von den "Kagazi" entworfen. Was für tolle Produkte dabei herauskommen, können Sie sich hier in unserem Shop ansehen.Kalakosh_Eco_Friendly_Papers_Jaipur

 

2. Reiseziel - Neu Delhi

Das zweite Reiseziel von Sandeep ist die Hauptstadt Indiens - Neu Delhi. Dort besuchte er Partner der Fair Trade Initiative Setu (die Brücke). Auf dem folgenden Bild sehen Sie Sandeep neben Nadeem Ji und seiner Familie stehen. Sie produzieren Schmuck, der über SETU vermarktet wird. Die Tochter von Nadeem, Sana (links im Bild), kam vor 8 Jahren auf die Idee die Organisation zu kontaktieren, um die Familie aus einer finanziell schwierigen Lage zu befreien. Schmuck, der von Sana und Ihrer Familie produziert wird, finden Sie hier.

Sandeep bei Handwerkskünstlern in Neu Delhi

 

1. Reiseziel - Home Sweet Home

Die ersten Tage seiner Reise verbrachte Sandeep mit seiner Familie in seinem Heimatdorf Devagiripatnam im Staat Telangana. Dort feierte er auch Makar Sankranti - das indische Erntedankfest. Dieses Fest wird vor allem in Südindien gefeiert und dauert 4 Tage. In dieser Zeit trennen sich die Menschen von alten Sachen, besuchen sich gegenseitig, und beschenken sich mit Süßigkeiten. Auch den Tieren wird in dieser Zeit gehuldigt. Am dritten Tag des Fests (Kanuma genannt) ehren die Bauern ihre Rinder und schmücken sie festlich. Mehr Informationen zu diesem Fest finden Sie hier.

Kalakosh_Home-Sweet_Home

 

Zurück nach oben >>

Gesamten Beitrag lesen
Veröffentlicht am von

Der unsichtbare Schaden der Armut: Ein Brief von Manish Gupta – Gründer von Matr Boomie

Gesamten Beitrag lesen: Der unsichtbare Schaden der Armut: Ein Brief von Manish Gupta – Gründer von Matr Boomie

Der unsichtbare Schaden der Armut
Ein Brief von Manish Gupta – Gründer von Matr Boomie:

Bevor ich anfing im Fair Trade Sektor zu arbeiten, war ich oft verärgert, über Eltern die ihre Kinder im jungen Alter arbeiten ließen oder sie sogar Fremden (Schlepper) anvertrauten, weil diese den Kinder Arbeit in weit entfernten Städten versprachen. Ich hielt die Eltern für gierig.

Bei meiner Arbeit in ländlichen Regionen beobachtete ich wie Kinder ihre Eltern bei der Arbeit unterstützen. Im Gespräch mit den Eltern wurde mir klar, dass sie sich, wie alle anderen Eltern auch, eine gute Ausbildung und ein besseres Leben für ihre Kinder wünschen. Nicht die Gier nach Geld, sondern der Mangel an Alternativen, veranlasst die Eltern dazu ihre Kinder arbeiten zu lassen. Da sie sich eine Ausbildung nicht leisten können, hoffen sie, dass das Erlernen einer Handwerkskunst die Zukunft ihrer Kinder sichert.

In großen Familien fängt das älteste Kind oft früh an zu arbeiten, damit die Familie es sich leisten kann die jüngeren Kinder in die Schule zu schicken. Die gleichen Umstände zwingen die Eltern auch ihre Kinder fremden Menschen mitzugeben, die behaupten einen guten Job in einer Stadt für das Kind zu finden. Obwohl die Eltern den Fremden oft misstrauen, riskieren sie es und senden ihre Kinder fort - die einzige Alternative zu einem Leben in Armut und Hoffnungslosigkeit.

Diese gnadenlose Seite der Armut, die Menschen zum Undenkbaren zwingt, bedrückt mich sehr. Um die Situation der Menschen in ländlichen Regionen zu verbessern, bedarf es politischer Reformen an höchster Stelle. Aber eines der Schlüsselelemente ist die wirtschaftliche Stärkung der ländlichen Unternehmen und Handwerkskünstler. Der faire Handel, ist meiner Meinung nach, eine der wenigen Strategien die einen wirklichen „Impact“ auf das Leben der Handwerkskünstler und der ländlichen Gemeinden haben kann. Das wird erreicht durch:

  • die Schaffung eines Zugangs zum Markt durch die Unterstützung der Handwerkskünstler beim Design, der Qualität und der Logistik ihrer Produkte, was es den Handwerkskünstlern erlaubt ein nachhaltiges Einkommen zu generieren.
  • langfristige Handelsbeziehungen, welche es den Handwerkskünstlern erlauben für die Zukunft zu planen.
  • eine Ausbildung der jungen Menschen in den traditionellen Handwerkskünsten, um neue Jobs zu schaffen.
  • einen Fokus auf die Ermächtigung („empowering“) der Frauen und der marginalisierten Handwerkskünstler

Wenn der Kreislauf der Armut erst einmal durchbrochen wurde, gibt es Hoffnung auf und vertrauen in eine bessere Zukunft. Der effizienteste Weg die Auswüchse der Armut, wie Kinderhandel und Kinderarbeit zu beseitigen, liegt nicht in der Bekämpfung der Symptome, sondern in der Ermächtigung der Menschen, damit Armut gar nicht erst entsteht.

-Manish Gupta-
 
Englische Originalfassung:
The Invisible Damage of Poverty: A Letter from Manish

Before I became involved in Fair Trade, any time I would see a child working somewhere, I used to feel angry towards the parents of the kids for sending them to work at such a young age. Also, it was upsetting to hear about trafficking cases where parents would trust their kids with strangers on promises of good jobs in far away cities. I somehow blamed the parents for being greedy. 

Working closely with artisans in rural areas, I observed artisans’ children at varying ages supporting them in production. Having in-depth conversations with artisans, I realized that just like any other parent, artisans also want their children to get a good education and just be a child. They don't have their children working in order to make extra cash to spend but simply because the artisan cannot afford to send their children to school. In absence of education, artisans feel that learning art/vocation will allow the child to make a living.

Poverty_IndiaSometimes in a family of many children, the eldest kids start working early on so together the family can afford to send the younger kids to school. Similarly, I realize that in cases of trafficking, though the parents are suspicious of strangers claiming to find a "good job" for their kids in far away cities, the alternative of not sending the child is a life of poverty and hopelessness. In that desperation, parents are willing to risk the unthinkable outcome by sending their children with strangers.

It makes me emotional, thinking about such brutal face of poverty and how it can strangle human spirit, especially when combined with lack of education, awareness and opportunities. We need high level policy changes to make a profound shift, but one of the key elements in reducing this risk is to strengthen rural economies by supporting rural businesses and artisans. Fair Trade is one of the few strategies that I think can make a significant impact on artisans and the overall economy of their communities through:

  • Connecting rural artisans to trade allowing them to make a sustainable living for their family through support in design, quality and logistics (Read More)
  • Long term trade relationships allowing artisans to plan for their future
  • Providing art form training for youth to enter trade, creating new jobs.
  • Focus on empowering women and marginalized artisans who are more at risk (read previous blog for details)

Once the cycle of poverty is broken, there is hope for, and confidence in, a strong future. The most efficient way to stop trafficking is not by intercepting traffickers at borders but by empowering the ones at risk and stopping it from ever happening in the first place.

-Manish Gupta, Matr Boomie Founder
Matr_Boomie_Blog
Gesamten Beitrag lesen